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Agnes Wabnitz

Die Generalversammlung 2013 widmete die neueste „freigekaufte“ Fläche der Frauenrechtlerin und Schneiderin Agnes Wabnitz (1841-1894).

 

Wabnitz stammte aus Gleiwitz im heutigen Polen und kam in den 1870er Jahren nach Berlin. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Schneiderin und kam dadurch in Berührung mit den katastrophalen Rahmenbedingungen für weibliche Arbeitskräfte im Berlin der sog. Gründerzeit. Mitte der 1890er Jahre waren etwa 100 000 Beschäftigte in der Berliner Konfektion tätig, davon über 75 Prozent Frauen, zumeist in Heimarbeit. Die Arbeitsbedingungen waren miserabel und die Entlohnung reichte zum Leben nicht.

 

Wabnitz setzte sich engagiert für die Besserstellung der Frau in der Textilindustrie ein. Sie wurde zur politischen Agitatorin für die junge Sozialdemokratie und hielt flammende Reden für ihre Sache. Ab 1885 gründete sie immer wieder Vereine zur Wahrung der Interessen der Arbeiterinnen, z. B. den Fachverein für Berliner Mantelnäherinnen, die ebenso regelmäßig wieder verboten wurden. Wabnitz wurde für ihr Engagement bestraft, mit zahlreichen empfindlichen Geldbußen, schließlich mit Gefängnis, wo sie in Hungerstreik ging.

 

1894 nahm sie sich in Berlin auf dem Friedhof der Märzgefallenen das Leben, um einer erneuten langen Gefängnisstrafe zu entgehen. Ihre Beerdigung wurde zu einer politischen Großkundgebung mit 40.000 TeilnehmerInnen. Die Presse hob hervor, dass an ihrem Grab mehr Kränze als bei der Beerdigung des Kaisers gelegen haben.

 

Die Genossenschafterinnen der WeiberWirtschaft eG sehen in Agnes Wabnitz eine ihrer feministischen Vorreiterinnen und möchten sie dauerhaft in ihrem Zentrum ehren!